Küchentisch Teppich

Filme, wie geschrieben an einem Nachmittag im Café oder nachts am Küchentisch. Filme wie Tagebuchnotizen, die heute Momentaufnahmen der 1960er Jahre sind. Anmerkungen zu Eckarts Schmidts Frühwerk.

modernes Esszimmer mit Kelim Teppich unter dem Tisch ...
modernes Esszimmer mit Kelim Teppich unter dem Tisch …

1. „Ich filme lieber ein nacktes Mädchen als Problemgerede. Das klingt profan. Ich kann es nicht ändern. Ich finde, jeder sollte die Filme machen, die ihm Spaß machen.“ (Eckhart Schmidt, 1968)

2. „… ein halbes Jahr später lernte ich Eckhart Schmidt kennen. Ich hatte gerade eine 8-mm-Kamera gekauft, um meine Frau und meinen gerade geborenen Sohn Harald zu filmen. Ich sprach mit ihm darüber, was für eine Art von Kurzfilmen man jetzt in diesem Augenblick eigentlich machen müsste. Wir suchten nach Geschichten, die unser Lebensgefühl ausdrücken könnten. Wir waren uns einig, dass es ganz einfache, alltägliche Geschichten sein müssten. Wir schrieben beide Kritiken für die Süddeutsche Zeitung und für die im Frühjahr 1963 gegründete Zeitschrift film und entdeckten durch die Filme von Godard und die Cahiers du Cinéma das amerikanische Kino. Wir schockierten unsere Kritikerkollegen, indem wir Filmen wie Premingers Kardinal vier Sterne gaben.“ (Rudolf Thome)

3. Thome, Schmidt, Klaus Lemke, Max Zihlmann, Marran Gosov, May Spils, Werner Enke, Veith von Fürstenberg. Die neue Münchner Gruppe der späten 1960er Jahre. Musik hören, ins Kino gehen, das Leben leben. Dass das große Glück, das große Kino gleich um die Ecke lauern konnte, das hatten sie von der Nouvelle Vague. Die Münchner Cafés, die Trottoirs vor den Kinos mit den Schaukästen wurden in ihren Filmen selbst Kino-Schauplätze. Thomas Brandlmeier schreibt: „Das Doppelbödige der Kinowelt, das Kino als fiktive Wirklichkeit und die Wirklichkeit des fiktiven Kinos gewinnt zusehends thematisches Interesse.“ Das heißt nicht, dass die Filme distanziert sind, gefiltert durchs Kino. Sie haben direkt zu tun mit dem Leben. Die Love Stories und Kriminalgeschichten stehen auf fürs Kinomachen, für die Entstehung von Geschichten, für das Zusammensein mit dem Team, den Mädchen, den Freunden.

4. Kurzfilme. Filmskizzen, die andeuten, was kommen wird. Filme, wie geschrieben an einem Nachmittag im Café oder nachts am Küchentisch, während die Freundin schläft. Filme wie Tagebuchnotizen, die heute Momentaufnahmen sind der 1960er Jahre. Zwei Kurzfilme hat Schmidt in den 60ern gedreht, Nachmittag und Die Flucht. Unmittelbarkeit zeichnet diese Filme aus, und die Kunst, Bedeutsames im Beiläufigen zu zeigen. Auf die Ästhetik des Kurzfilms wird Schmidt vor allem in seiner dokumentarischen und journalistischen Arbeit immer wieder zurückgreifen.

5. Nachmittags, ein Kurzfilm in Schwarzweiß von 1964. Ein Film über das, was in den Straßen und Wohnungen von München vor sich geht, was in den Köpfen von Liebenden und Enttäuschten abläuft. An einem ganz gewöhnlichen Nachmittag, an irgendeinem Nachmittag.

Die Geschichte eines missglückten Rendezvous, eine Geschichte von Gesten und Gedanken. Eine ganz einfache Geschichte und doch verdammt kompliziert. Wie die Liebe eben. Es beginnt mit einer Fahrt durch die Barer Straße. Aus dem Off hört man ein Telefongespräch. Eine Männerstimme: „Um drei Uhr an der Haltestelle, wie früher.“ Darauf eine Frauenstimme: „Ich weiß nicht.“

Man sieht einen jungen Mann, wartend an der Haltestelle. Im Hintergrund ein Kiosk mit einem Jopa-Schild. Gespielt wird der junge Mann von Christian Doermer, den wir kennen aus Georg Tresslers Die Halbstarken (1956), Herbert Veselys Das Brot der frühen Jahre (1962) und Peter Schamonis Schonzeit für Füchse (1966). Zweifellos ein deutscher Akteur der neuen Welle, ein verquerer Hardy Krüger des jungen Films. Keinem fallen die Haare so schön ins Gesicht wie Doermer. Er trägt eine dunkle Lederjacke, dazu ein weißes Hemd mit Schlips. Ich kann mich gut erinnern an diese Kleidung damals, bei der sich Rebellion und Ordnung mischten. Der junge Mann geht auf und ab, immer die heranfahrenden Straßenbahnen der Linie 8 im Auge. Er kauft sich eine Tafel Schokolade und raucht eine Zigarette. Einmal steht er vor einem Plakat, auf dem ein Konzert mit Stücken von Beethoven und Bach angekündigt wird. Ein andermal hält er sich vor einem Plattenladen auf, in dessen Schaufenster auch eine Single von Freddy Quinn hängt. Und einmal versucht er zu telefonieren, lässt es aber wieder bleiben. Zwischen den Szenen mit dem wartenden Mann sieht man eine junge Frau, dargestellt von Isi ter Jung, der Frau von Eckhart Schmidt. Sie hat etwas Verträumtes an sich, etwas Trotziges auch, das aber durchaus poetisch wirkt. Sie liegt auf dem Bett in ihrem Apartment. Um sie herum Zeitungen und Journale: eine SZ, die twen, die Nummer 5 der Zeitschrift film. Die Kamera tastet die Frau förmlich ab und verweilt immer wieder auf ihrem Schoß. Vielleicht denkt der Mann an der Haltestelle an ihren Schoß. Sie bekommt einen Anruf. „Du hast wohl einen Hieb“, sagt sie in den Hörer. Dann tanzt sie zu Rock-’n’-Roll-Musik direkt auf die Kamera zu. Wieder das Telefon. „Ich weiß nicht“, sagt sie und putzt sich dann die Zähne. Das Telefon. Mit einem bestimmten „Nein“ schmettert sie den Anruf ab. Doch es klingelt wieder. Ihr „Nein“ ist diesmal launisch, fast schon ein „Ja“. Sie geht aus dem Haus und steigt in die Tram, Linie 8, ein. Sie steigt dort aus, wo der junge Mann wartet. Aber den sieht man jetzt nicht. Sie schaut direkt in die Kamera. Und aus dem Off kommt wieder die Männerstimme vom Anfang: „Warum bist du nicht gekommen?“ Sie sei doch hier. Sie setzt sich auf eine Parkbank mit dem Mann, der im Off bleibt, den man nie sehen wird, so wie den Filmemacher. Die zwei haben sich wohl näher gekannt, vor drei Jahren. Sie gehen zum Türkendolch-Kino, wo der amerikanische Kriegsfilm War is Hell (Marschbefehl zur Hölle) (1960) von Burt Topper und Thunder in the Sun (Donner in der Sonne) (1959) von Russell Rouse mit Susan Hayward angekündigt sind. Danach sieht man sie in einem Eiscafé an der Leopoldstraße. „Warum hast du mich eigentlich angerufen? Ich nehme an, du konntest mich nicht vergessen“, sagt sie. „Also was ist, kommst du mit?“, fragt er. Sie darauf: „Dass du immer nur daran denken kannst.“ Sie landen in einem Apartment. Sie wehrt sich gegen die Kamera.

Am Ende sehen wir wieder den jungen Mann, den Christian Doermer spielt. Er gibt auf und geht weg. Eine Fahrt durch die Türkenstraße beschließt den Film. Vielleicht sind der wartende Mann und der Mann im Off identisch. Dann wird er keine Chance mehr haben, sie wiederzusehen. Gedanken an einer Haltestelle, an einem Nachmittag in München.

6. Wenn Nachmittag ein Experiment in Montage ist, ein Puzzlespiel zwischen Mann, Frau und Kamera, ein Flirt zwischen On und Off, dann gleicht Die Flucht einer Studie in Plansequenzen. Enno Patalas fand in diesem ebenfalls in Schwarzweiß gedrehten Film „eine schöne Aufrichtigkeit, die er gemein hat mit denen eines anderen Plan-Séquences-Fanatikers, des Polen Skolimowski.“

7. Die Flucht ist ein kleiner Thriller, in dem sich eine Liebesgeschichte verbirgt. Ein Film auch über Raymond Chandler in einer Münchner Wohnung. Über ein Bild von Randolph Scott in einer kleinen Diele. Ein Film über Amerika in der BRD. Ein Film schließlich über einen jungen Typen, der nur Feuer wollte für seine Zigarette. Sechs Sequenzen, in denen sich alles ändert für den jungen Typen und eine Hausfrau. Ein Kino-Poem in sechs Strophen.

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1. Sequenz: In einer Spielhalle, wie sie typisch waren für die 1960er Jahre. Eine Mischung aus Wirtschaft und Spielhölle. Über der Theke hängt ein Neonzeichen von Pschorr. Die Halbstarken und Taugenichtse an den Spielgeräten tragen zumeist Anzüge. Ein junger Typ, wieder gespielt von Christian Doermer, steht am Flipper. Er steckt sich eine Zigarette zwischen die Lippen und schaut sich um. Er ist misstrauisch, und außerdem braucht er Feuer. Er beobachtet, wie ein anderer Kerl auf der gegenüberliegenden Seite des Raums sein Spielgerät verlässt, zur Theke geht, telefoniert und wieder langsam zurückschlendert. Unser Junge wendet sich wieder dem Flipper zu. Er lässt eine Kugel ins Gerät sausen. Die Kamera folgt der Kugel, wie sie hin- und hergeschleudert wird zwischen den elektrischen Banden. Von fern hört man eine Sirene. Der junge Typ nimmt sie sofort wahr. Er läuft zu dem Kerl hinüber, der telefoniert hat, und verpasst ihm einen Magenschwinger. Dann stürmt er aus der Spielkneipe. Der andere schwankt ihm schmerzverzerrt ein Stück hinterher. Die Polizeisirene wird lauter.

2. Sequenz: Eine winterliche Straße in München, gesehen von einem fahrenden Polizeiauto aus. Sirenengeheul. Auf dem rechten Bürgersteig hetzt der Junge entlang. Kurz bevor ihn der Polizeiwagen einholen kann, verschwindet er in einem Hauseingang.

3. Sequenz: In einem Treppenhaus. Der junge Typ läuft die Treppe hoch. Er hetzt auf eine dieser langen Balkonfluchten hinaus, die in vielen Mietskasernen der sechziger und siebziger Jahre zu den Wohnungstüren führen. Dort schiebt er eine junge Frau, die gerade die Tür aufsperrt, in die Wohnung hinein.

4. Sequenz: In der Wohnung. Der Typ drückt die Frau, gespielt von Isi ter Jung, zu Boden. „Lassen Sie mich los“, schreit sie, „Sie tun mir weh.“ Er schiebt sich wieder eine Zigarette in den Mund: „Haben Sie Feuer?“ Dann versucht er sie zu beruhigen, indem er einen amerikanischen oder französischen Gangster markiert: „Kleines, sei ruhig, ganz ruhig. Kann ich normal mit dir reden? Ich will doch gar nichts von dir.“ Er appelliert an sie: „Sie können mir helfen.“ Sie: „Geld haben wir nicht.“ „Ich scheiß auf dein Geld. Wer ist ‚wir‘?“ Die Frau, die sich aufgerappelt hat und sich vor einem Spiegel wieder zurechtmacht, antwortet provozierend und nicht ohne Stolz: „Mein Mann und ich.“ Sie zieht sich den Mantel aus, geht ins Bad und frisiert sich. „Wann trifft er ein?“ „Um 12 Uhr.“ Er schaut auf seine Uhr „Aber dann …“ „Ein Wunder, dass Sie von einer Uhr die Zeit ablesen können“, sagt sie schnippisch. Er geht ihr nach ins Bad: „Ich kann noch ganz andere Sachen. Ich bin zwar nicht der böse Wolf, aber ich weiß nicht, ich würde mich an Ihrer Stelle nicht unterschätzen.“ Er streift durch die Wohnung, trinkt Milch und findet ein Buch: „Haben Sie das gelesen? The Big Sleep, Raymond Chandler.“ Es ist ungemein wichtig, dass er den Titel im Original nennt. Er beginnt laut vorzulesen: „‚Sie war zwanzig oder so, klein und delikat zusammengesetzt. Sie sah haltbar aus. Sie kam zu mir herüber und lächelte mit ihrem Mund.‘ Hören Sie mir zu?“ Er fährt fort: „ ‚… und sie hatte kleine scharfe Vorderzähne, so weiß wie frischer Orangensaft und so leuchtend wie Porzellan. Sie glitzerten zwischen ihren dünnen und straffen Lippen. Ihr Gesicht war farblos und sah nicht gerade gesund aus.‘ Gehört das Ihrem Mann?“ Als er sich unbemerkt fühlt, wühlt er ihre Manteltaschen durch. „Also doch Geld“, meint sie, als sie ihn ertappt. Er darauf lässig: „Eine Frage, haben Sie Feuer?“ Er begutachtet die Wohnung, in deren Diele auch ein Szenenfoto aus einem Randolph-Scott-Film hängt: „Bad und Scheißhaus, Wohnzimmer, Küche. Und was ist das da?“ Sie: „Wir nennen es Schlafzimmer.“ Als er einen kurzen Moment unaufmerksam ist, versucht sie durch die Wohnungstür zu fliehen. Er hält sie auf und spielt den coolen Macker: „Ich kannte mal eine, die war auf Draht wie du. Die wollte mich immer heiraten. Da hab’ ich ihr zwei Kinder gemacht und hab’ sie sitzen lassen. Jetzt geht sie auf den Strich.“ Plötzlich kommt Unruhe in ihm auf: „Los, fang endlich an zu kochen.“ Es müsse alles ganz normal wirken. Da fragt sie: „Haben Sie Feuer?“ Er: „Nimm doch an, ich wäre dein Boyfriend. Wo würdest du mich verstecken, wenn dein Alter kommt?“ Sie: „In der Badewanne, unterm Bett, unterm Teppich, im Abfalleimer, im Klo?“ Er drückt sie in die Küche und zeigt ihr eine Pistole. Unvermittelt stürmt der Ehemann, ein ziemlicher Hampelmann, in die Küche, schreit: „Isi, Isi!“ und haut nach einem kurzen Gerangel wieder ab. Der junge Typ streicht sich die Haare aus dem Gesicht und fragt die Frau: „Begleiten Sie mich ein Stückchen?“ Sie geht mit, aus der Wohnung hinaus. „So weiß wie frischer Orangensaft …“

5. Sequenz: Wieder im Treppenhaus. Der Ehemann hat die Polizei geholt. Der junge Typ gibt ihm die Pistole und stellt sich dann. Der Ehemann, die Pistole in der Hand, geht mit seiner Frau zurück zur Wohnung. Er legt den Arm um sie, doch sie macht sich los. Eine Geste, die alles sagt. Was wird aus ihnen werden? Was macht der Ehemann, der Chandler liest und jetzt eine Pistole hat? Und die Frau? Vergisst sie je die Begegnung mit dem jungen Gangster?

6. Sequenz: Im Polizeiauto. Der junge Typ sitzt vorne auf dem Beifahrersitz. Der Funk läuft. Er schiebt sich eine Zigarette in den Mund. „Haben Sie Feuer?“, fragt er den Fahrer. Der Polizist schweigt. „Sind Sie stumm?“ Ein Polizist von hinten, dessen Blickwinkel ungefähr gleich ist mit der Kameraposition, gibt ihm Feuer. Der Junge zieht an der Zigarette. Er lächelt.

Ein Gag, Gangster-Attitüden und die Möglichkeit der Liebe: Pulp fiction made in Munich.

8. Die Filme von Eckhart Schmidt: In ihnen wird kaum gewertet oder interpretiert oder psychologisiert. Sie vervollständigen sich im Kopf des Zuschauers. Sie bringen Elemente ins Spiel, die nicht in erster Linie auf Verstehen zielen, sondern auf Erleben. Eine seltsame Atmosphäre durchzieht Schmidt frühe Filme in Erwartung dessen, was kommen wird. Vieles, alles schien möglich damals. Schmidt wollte sich absetzen – nicht nur von Papas Kino, sondern auch vom Problembewusstsein der Oberhausener. Anfang der 1980er, nach einer längeren Pause als Regisseur, konnte er im New Wave und im Punk diesen Schwung wieder aufnehmen, einen Drive gegen die Verstaubtheit der 68er.

Von dem eigenartigen Wechselspiel zwischen Aufbruchsstimmung der muffigen, immer noch gegenwärtigen 50er-Jahre-Atmosphäre, zwischen Provinzialismus und Jet Set, zwischen Emanzipation und Sexismus handeln Schmidts Filme der späten 1960er Jahre. Schmidt hat ein Gespür für das Feeling einer Generation, ein Gespür für den Zeitgeist, lange bevor dieser Begriff Mode wurde.

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9. „Die zehn Filme des Jahres“, veröffentlicht im Jahrbuch ’68 der Zeitschrift film, für die Schmidt tätig war: „Ein Hollywood-Film (Bonnie und Clyde); ein europäischer Gangsterfilm (Der eiskalte Engel); ein böser Film von Godard (Week-End); ein Film-Monstrum aus Jugoslawien (Unbeschützte Unschuld); ein verzweifelter Film von Jean-Marie Straub (Chronik der Anna Magdalena Bach); ein Film, der aus einem Bindfaden besteht (zzz: Hamburg Special); ein Film, der aus einer einzigen Einstellung besteht (Wavelength); ein filmpolitischer Film (Besonders wertvoll) und zwei Filme, die Vergnügen bereiten: The Chelsea Girls, Der warme Punkt.“

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10. Man müsste eine Geschichte der Girl-Kultur schreiben. Sie würde wohl irgendwann in den frühen 1960er Jahren beginnen mit Audrey Hepburn als Holly Golightly in Blake Edwards’ Capote-Verfilmung Frühstück bei Tiffany. Die Geschichte der Schauspielerinnen, Starlets, Models und Groupies würde zwischen Lebenslust und Melancholie schwanken. Eine Stimmung wäre zu beschreiben, wie sie Françoise Sagan beschworen hat in Bonjour Tristesse, wie sie Peter Sarstedt besungen hat in „Where Do You Go To (My Lovely)“ oder The Velvet Underground und Nico in „All Tomorrow’s Parties“: And what costume shall the poor girl wear / To all tomorrow’s parties / A hand-me down dress from who knows where / To all tomorrow’s parties / And where will she go and what shall she do / When midnight comes around / She’ll turn once more / To Sunday’s Clown / And cry behind the door.

Zu der sinnlichen Girl-Revolte, die oftmals in Tragödien mündete, gehörten: die Kessler-Zwillinge, Nico, Jean Seberg, Jean Shrimpton, Marianne Faithfull und Anita Pallenberg, die schöne Freundin von Rolling Stone Brian Jones, deren Credo lautete: „ Am besten, man ist immer unterwegs und bleibt nirgends zu lange.“

Schneeweißrot Gisela Getty und Jutta Winkelmann wären zu nennen, Playgirl Eva Renzi, Supergirl Iris Berben, Engelchen Gila von Weiterhausen, Uschi Obermaier (in Thomes Rote Sonne), Sylvie Winter, die Lemke für kurze Zeit zum Star machte, und natürlich Helga Anders (in Roger Fritz’ Mädchen, Mädchen), die mit ihren klaren Augen ein wenig an die junge Knef erinnert. Mädchen, Mädchen bei Eckhart Schmidt: Bei seinem ersten langen Spielfilm Jet Generation wollte Schmidt für die weibliche Hauptrolle einen Typ wie Jane Fonda oder Carol Lynley. Er suchte „ein Gesicht, das eine gewisse Unschuld und gleichzeitig eine gewisse Erfahrung widerspiegeln sollte“. Chrissie Shrimpton, die Schwester von Jean, wurde zuerst für die Rolle engagiert. „Weil sie den nervlichen und körperlichen Strapazen der Rolle in einer für sie vollkommen fremden Umgebung einfach nicht gewachsen war“, wurde schließlich Dginn Moeller verpflichtet, die schön ist in ihrer Durchsichtigkeit und Somnabulität und wie eine Schicksalsgöttin des Pop durch München wandelt. In Jet Generation und seinem zweiten Spielfilm Atlantis – Ein Sommermärchen spielt auch wieder Isi ter Jung wichtige Rollen. Sie ist verspielt und zauberhaft, offen und doch geheimnisvoll. Eine Komödiantin der lächelnden Melancholie.

11. Eine „Lust am halbverchromten, halb vergammelten Alltag“ spricht Georg Alexander den Filmen der Münchner Gruppe zu. Schmidts Lust gilt den Geheimnissen der schicken Oberfläche. Er macht in kleinen Filmen ein Kind des Glamour und Spektakels.

12. Ein Flugzeug landet in München-Riem und ein Mädchen, blond, blass und sehr schick, entsteigt dem Düsenvogel wie ein Engel der Swinging Sixties. Dann ertönt ein Song, der internationales Beat-Flair verbreitet. Es geht um die Jet Generation in Eckhart Schmidts erstem farbigen Spielfilm um die „international nomads“, wie ein Buch heißt von Lanfranco Rasponi aus dem Jahr 1966. Jet Generation ist ein unterschätztes Kleinod des Münchner Pop über Mode und Verzweiflung, über Liebe und Passion.

Carroll (Dginn Moeller) aus New York sucht in München nach ihrem Bruder, der seit einigen Monaten vermisst wird. Eine Odyssee durch die Isar-Metropole beginnt für sie, die zum Drugstore, in Schwabing und zur Bavaria auf der Theresienwiese führt, zur Boutique an der Leo und zum altehrwürdigen Donisl, in die Disco und zum Oberwiesenfeld. Einmal, beim Wiesn-Einzug, begegnet sie sogar dem OB Vogel. Ein andermal fährt sie an der Großbaustelle Ludwigstraße vorbei, wo die neue U-Bahn für München gebaut wird. Das Leben als Baustelle, eine neue Generation auf der Suche: Bei Schmidt kommt das alles ganz unaufdringlich, ganz natürlich daher. „Lemke hat Rom und Mexiko gezeigt, als ob es die Leopoldstraße wäre“, hat Drehbuchautor Max Zihlmann gesagt über Negresco (1967) und 48 Stunden bis Acapulco (1967). Inspiriert von Warhol und Antonioni, filmt Schmidt München in Jet Generation als Stadt mit Welt-Flair. „Blow Up an der Isar“ könnte der Film gut heißen.

Die Internationalität im Detail, das zum Signal wird: „Automatic Door“ steht an der Ausgangstür des Münchner Flughafens. Der englische Begriff, der Verweis aufs Automatische deuten eine neue Welt an.

Die Suche nach ihrem Bruder führt Carroll schließlich zu dem charismatischen Mode-Fotografen Raoul, dem die Männer genauso verfallen sind wie die Frauen. Auch sie kann sich dem gefährlichen Charme dieses Dandys, der hin- und herjettet zwischen Rom, London und München, nicht entziehen. Eine Love Story voller Unberechenbarkeiten beginnt zwischen ihr und diesem Provokateur der Gefühle. Gegensätze durchdringen sich: Anziehung und Ablehnung. Liebe und Hass, ein unbändiger Drive und Trance bis zur Lethargie. Loving, Munich 1968.

13. Der Fotograf heißt Raoul, wie fast alle männlichen Hauptfiguren bei Schmidt, als Hommage an Raoul Walsh wohl sicherlich wegen dem undefinierbaren internationalen Klang des Namens. Raoul fährt zwei Autos: einen Rolls Royce und einen Porsche, der seine Initialen im Kennzeichen hat: M-RM 111, Raoul M., die Nummer eins. Er ist als Fotograf und Macher auch selbst Model und Star mit Allüren. Er hat Angst vor der Liebe, vor den Verletzungen, die die Liebe mit sich bringt. Bei einer Fotosession vor Schloss Nymphenburg scheint er endlich einmal gelöst und zufrieden zu sein, aus Liebe zu Carroll. Ein Mitarbeiter namens Chris (Jürgen Draeger), der ihn auch liebt, ist erstaunt. Caroll zur Raoul: „Du hasst die Menschen.“ Raoul: „Im Gegenteil. Sie haben mich nur allzuoft dazu gezwungen, nicht zu lieben.“ Da wirft Chris ein: „Oder du zwingst sie dazu, dich zu hassen.“

Gespielt wird Raoul von Roger Fritz, der verdammt gut aussah damals. Er war zugleich Produzent des Films und hat sich auch ein wenig selbst porträtiert. Eckhart Schmidt: „Wir suchten gemeinsam nach einem geeigneten Darsteller für die Rolle des Raoul (Voraussetzungen: attraktives Aussehen, natürliche Vitalität, internationaler Typ), aber wir mussten passen: in Deutschland existiert dieser Typ offenbar nicht, und die ausländischen Darsteller, die ich in Erwägung zog (z.B. Tomás Milián aus Töte, Django; 1967) waren nicht zu haben. Fritz lag ziemlich genau auf der Rolle, und so entschloss ich mich, ihn zu nehmen …“

Es wird! Und zwar so langsam auch ein bisschen gemütlich ...
Es wird! Und zwar so langsam auch ein bisschen gemütlich …

Roger Fritz hat eine erstaunliche Karriere gemacht. Er ist Starfotograf in den 60ern, bei twen von Anfang an dabei. Er hat bei Visconti als Assistent gearbeitet, unzählige TV-Features inszeniert und eine Handvoll Filme gedreht (Mädchen, Mädchen, 1966; Häschen in der Grube, 1968; Mädchen mit Gewalt, 1970; und den New-Wave-Film Frankfurt, Kaiserstraße, 1980). Als Schauspieler ist er bei Thome zu sehen, bei Peckinpah und natürlich bei Fassbinder. Ein Mann, dem eine eigene Werkschau gewidmet werden müsste.

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Bei Mädchen, Mädchen, einem visuell außergewöhnlichen Film, hat Eckhart Schmidt am Drehbuch mitgearbeitet. Der Anfang, wenn Helga Anders das Erziehungsheim verlässt und in einem unbeobachteten Moment den Rock zum Mini hochkrempelt und die hochgesteckten Haare auf die Schultern fallen lässt, wirkt wie ein Abschied von gestern, in jeglicher Beziehung.

Für das Atze-Brauner-Sex-Tryptichon Erotik auf der Schulbank von 1968 haben Roger Fritz und Eckhart Schmidt je eine Episode gedreht, die dritte stammt von Hannes Dahlberg. Schmidts Beitrag trägt den Titel Phantasie: Es geht um einen Schuljungen und die Fantasien, die er hat über seine schöne Lehrerin.

14- Am Ende von Jet Generation geht Carroll mit Raoul, obwohl sie vermutet, dass er ihren Bruder getötet hat. Each man kills the thing he loves. Doch Carroll scheint auch Macht zu haben über Raoul. Das Model als auteur. In Jet Generation verbirgt sich bereits eine Geschichte von Eros und Massaker, wie sie Schmidt ausarbeiten wird in Der Fan, Loft oder Broken Hearts.

15. Eine These von Alf Brustellin, die Schmidt erfüllt: „Groteske geht nicht, Ironie auch nicht. Der Zuschauer darf zwar solches empfinden, der Film selbst aber muss für diese Empfindung realistisches Ausgangsmaterial liefern. Das gilt grundsätzlich für alle Distanzierungs- oder Künstlichkeitswünsche, die einen Filmemacher im Laufe seiner Arbeiten an Figuren, Geschichten und auch Inhalten ereilen. Wir sind hier nicht beim Orchester. Also stelle sich der Dirigent hinter sein Material und nicht davor.“

16. Atlantis – Ein Sommermärchen, Alternativtitel Männer sind zum Lieben da, Schmidts zweiter Spielfilm, wieder in Schwarzweiß. Der ist ein Science-Fiction-Märchen, als Weekend-Film gedreht. Ein Sommertraum und Männertraum von Amazonen, von der Stimmung her zwischen Thomes Rote Sonne (1970) und Fritz Böttgers Ein Toter hing im Netz (1960) liegend, zwischen Valerie Solanas und Raumpatrouille (1966). Ein sinnlich-verspielter Film über den Geschlechterkampf, eine Parodie auch über Aufklärungsfilme und Sex-Wahn.

Es beginnt verzaubernd, umwerfend. An einem Seeufer im Alpenvorland. Ein Mann lehnt an einen Baum, in den ein Herz geritzt ist als Zeichen einer Liebe. Der Mann glaubt zu träumen. Denn plötzlich taucht vor ihm eine wunderbare Frau aus dem Wasser auf wie eine schaumgeborene Venus. Sie hat lange Haare, sie trägt einen extrem kurzen Mini und hält einen winzigen Koffer in der Hand. Auf Zeichen der Frau tauchen weitere Girls auf. Alle in Mini-Kleidern, alle mit den kleinen Köfferchen. Und ganz zum Schluss erscheint noch ein Mädchen ein wenig abseits, nicht ganz zu den anderen gehörend. Atlantis heißt die schöne Außenseiterin (Isi ter Jung), die den anderen schon Schwierigkeiten gemacht haben muss.

Der Mann am Ufer wird zu einem Eingeborenen, zu einem Wilden, der sich hinter Buschwerk versteckt vor der Invasion der Girls. Doch er hat keine Chance gegen diese Armee der Nymphen. Sie überwältigen ihn mit ihrem Sex. Als er den Höhepunkt erreicht, verwandelt er sich in ein kleines Püppchen. Dieses Püppchen stecken die Mädchen in ihren Mini-Koffer. Die Girls sind nämlich eine Abordnung vom versunkenen Kontinent der Frauen. Jede von ihnen soll zwanzig Männer beim Sex verkleinern und in ihr Köfferchen stecken. Auf dem Frauenkontinent sollten die Männer wieder vergrößert werden und als Sex-Sklaven für die Vermehrung sorgen. Denn die Frauen in der fernen Unterwelt können nur Mädchen zur Welt bringen.

Wie die anderen Girls macht sich also auch Atlantis daran, ihren Auftrag zu erfüllen. Ihr Weg führt vom Voralpenland nach München. Scheinbar gleicht sie bei ihrer Suche nach Sex Gila von Weitershausen, die in Marran Gosovs Engelchen nach München kommt, um entjungfert zu werden. Atlantis ist total erfolglos in ihrem Unternehmen Männerverkleinerung. Zuerst gerät sie an einen Pornohändler („ist doch nichts dabei heutzutage“), der schwul ist. Dann läuft ihr ein hypergeiler Kleinstadtbürgermeister über den Weg. Doch kurz vor dem Schäferstündchen im Wald tauchen seine kleine Tochter und seine giftige Ehefrau auf. Weiter Männer, mit denen es auch klappt, sind ein zwielichtiger Pfarrer, verkörpert von Art Brauss, ein Polizist, der nur an die Beförderung denkt, und ein Schaukelbursche, der den Liliom gibt als Jerry-Lewis-Variation. Atlantis, die eigentlich gar keine Lust hat, die Männer zu verkleinern, landet schließlich in Schwabing. Im Biergarten am Chinesischen Turm begegnet sie einem recht unzufriedenen Ehepaar. Der Ehemann, mit viel Spaß gespielt von dem Filmjournalisten Wilhelm Roth, hat nur Interesse am Essen. Die Frau, eine Anhängerin des Sex-Gurus Oskar Wald, fordert Atlantis vergeblich auf, mit dem Ehemann zu schlafen zur Ankurbelung des Sexlebens. Atlantis hat später die Gelegenheit, den Oswalt-Kolle-Verschnitt Oskar Wald kennenzulernen: einen albernen Theoretiker des Sex. In Schwabing hat sich Atlantis auch mit dem jungen Raoul angefreundet, der sich ein Apartment an der Münchner Freiheit genommen hat, in dem eine Zeichnung von Falconetti hängt. Es ist längt klar geworden, dass sich Atlantis ihrer Sex-Mission widersetzt. Als sie mit Raoul ins Bett steigt, der von ihrer Herkunft und ihrem Auftrag weiß, geschieht das Wunderbare, das Mirakel von der Leo. Raoul bleibt intakt, weil ihn Atlantis wirklich liebt. Bei true love haut es nicht hin mit dem Verkleinerungsprozess. Aber die anderen Girls vom Erdteil der Frauen, für die Sex mit Kannibalismus zu tun hat wie auch später für Schmidts Fan, dulden keine Ausnahmen. Und muss Raoul nicht – wenn auch er wirklich liebt – zum Pop-Orpheus werden, um Atlantis gerecht zu werden? Am Ende, als die Mädchen wieder verschwinden im See, entpuppt sich alles als Traum. Als Traum eines Mannes, der Probleme hatte mit seiner Frau. Alpträume, Wunschträume, die Grenze ist fließend.

Atlantis – Ein Sommermärchen ist Kino pur, eine kleine Fantasie, ganz nah am Leben. A slice of life mit Musik von Wolfang Amadeus Mozart und dem Austro-Kanadier Jack Grunsky. Ein Film voll Ambition und Leichtigkeit, ein mythischer München-Film, wie alle Schmidt-Werke ein schönes Gemisch aus high und low culture.

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Der Text stammt aus der 1997 erschienenen Monographie: “Ritual und Romantik – Das Kino des Eckhart Schmidt” (Hrsg: Olaf Möller, Hans Schifferle, Sascha Westphal). Wiederveröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Küchentisch Teppich – Küchentisch Teppich
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Vintage Teppich unter dem Esstisch | esszimmer in 10 ...
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Mal was ganz Verrücktes, Teppich unter dem Esstisch
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Mal was ganz Verrücktes, Teppich unter dem Esstisch
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10 photos of the "Küchentisch Teppich"

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